Der Holzfäller

von Ellen Niemann

Das Neue Jahr beginnt, die guten Vorsätzesind gefasst - also kann es losgehen.
Halten wir doch noch ein bisschen inne und denken darüber nach, wie wir dieses Jahr mit unserer Arbeit, dem Stress und dem Druck umgehen wollen.
Dazu wieder einmal eine Geschichte von Jorge Bucay:

"Es war einmal ein Holzfäller, der bei einer Holzgesellschaft um Arbeit vorsprach. Das Gehalt war in Ordnung, die Arbeitsbedingungen verlockend, also wollte der Holzfäller einen guten Eindruck hinterlassen. Am ersten Tag meldete er sich beim Vorarbeiter, der ihm eine Axt gab und ihm einen bestimmten Bereich im Wald zuwies. Begeistert machte sich der Holzfäller an die Arbeit. An einem einzigen Tag fällte er achtzehn Bäume.
‚Herzlichen Glückwunsch', sagte der Vorarbeiter. ‚Weiter so.'

Angestachelt von den Worten des Vorarbeiters, beschloss der Holzfäller am nächsten Tag das Ergebnis seiner Arbeit noch zu übertreffen. Also legte er sich in dieser Nacht früh ins Bett. Am nächsten Morgen stand er vor allen anderen auf und ging in den Wald. Trotz aller Anstrengung gelang es ihm aber nicht, mehr als fünfzehn Bäume zu fällen.
‚Ich muss müde sein', dachte er, und beschloss, an diesem Tag gleich nach Sonnenuntergang schlafen zu gehen. Im Morgengrauen erwachte er mit dem festen Entschluss, heute seine Marke von achtzehn Bäumen zu übertreffen. Er schaffte noch nicht einmal die Hälfte. Am nächsten Tag waren es nur sieben Bäume, und am übernächsten fünf, seinen letzten Tag verbrachte er fast vollständig damit, einen zweiten Baum zu fällen.
In Sorge darüber, was wohl der Vorarbeiter dazu sagen würde, trat der Holzfäller vor ihn hin, erzählte, was passiert war, und schwor Stein und Bein, dass er geschuftet hatte bis zu Umfallen.
Der Vorarbeiter fragte ihn: ‚Wann hast du denn deine Axt das letzte Mal geschärft?'
‚Die Axt schärfen? Dazu hatte ich keine Zeit, ich war zu sehr damit beschäftigt, Bäume zu fällen.'"

Was nützt es, wenn wir uns in die Arbeit hineinstürzen, immer mehr Leistung bringen und doch am Ende nicht zu dem gewünschten Ziel kommen; dafür aber kraftlos und vielleicht sogar krank werden. Sich zwischendurch ausruhen, etwas anderes tun, sich mit anderen, schönen Dingen beschäftigen ist auch eine Art, unsere Arbeitswerkzeuge zu schärfen. Denken wir daran, wenn die Arbeit uns wieder einmal über den Kopf wachsen will!

Ein frohes und gesundes Neues Jahr!