Erwartungen

Du stehst vor deinem Partner, deinem Freund, deiner besten Freundin und denkst: "Warum tut er/sie jetzt nicht, was ich von ihm/ihr erwarte? Er/sie muss doch wissen, was ich brauche, was mir fehlt oder wie ich mich gerade fühle."
Enttäuschung und Frust macht sich breit. Du fühlst dich schlecht, weil deine Erwartungen nicht erfüllt werden.
Kennst du das? Wie ist das mit unseren Erwartungen im zwischenmenschlichen Bereich? Immer wieder höre ich von Problemen, die genau hier ansetzen.
"Sie gibt mir nicht, was ich brauche. Ihm bin ich völlig egal, denn er hilft mir nicht…."
Auf die Frage, ob denn die Wünsche und Erwartungen einmal laut formuliert wurden, bekomme ich meistens die Antwort: "Nein, aber das muss er/sie doch wissen!"
Ist das so???
Nur zu oft wollen wir uns unsere Mitmenschen so hinbiegen, formen, zusammensetzen und zum Duplikat unserer Selbst machen. Dabei erheben wir aber den Anspruch, ein Original zu sein.
Wie langweilig wäre es, wenn jeder so sein würde, so reagiert und so reden würde, wie ich selbst. Möchtest du ein Duplikat sein? Oder doch lieber ein Original?
Ich möchte ein Original sein mit meinem Handeln, meiner Sprache und meinen Gedanken. Und das will ich auch meinem Gegenüber zugestehen.
Unausgesprochene Erwartungen zu haben würde bedeuten, dass mein Gegenüber in meiner Weise empfinden, denken und handeln würde - und da er es nicht tut, kann er meine Erwartungen nicht erfüllen.

Als ich noch ein junges Mädchen war und meine Freundinnen und ich über unsere romantischen Vorstellungen von Ehe austauschten, fiel oft der Satz: "Also so, wie du dir deinen Ehemann vorstellst, solltest du ihn beim Bäcker in Auftrag geben."
Es ist viel dran an diesem Satz. Ein bisschen hiervon, ein bisschen davon, gute Butter dazu, statt Rosinen lieber Schokolade und zur Krönung etwas Marzipan.
Hand auf 's Herz, würden wir das nicht auch gern mit den Menschen machen, die uns am nächsten sind.
Und wo wir gerade dabei sind; wie sieht es mit unseren Erwartungen Gott gegenüber aus?
Wenn wir IHN uns so zusammenbasteln könnten, wie wir es gerne hätten, wären wir dann glücklich? "Immer lieb und freundlich soll er zu mir sein, meine Wünsche soll er schnell erfüllen, mich vor Leid und Krankheit in jedem Fall bewahren, wenn ich falsche Dinge tue soll ER wegsehen oder ein Auge zudrücken und Forderungen soll ER nicht an mich stellen, denn ich habe ja so schon genug zu tun.
"Ein Gott nach meinem Geschmack!?
Wenn sich jeder seinen Gott so hinbasteln könnte, wie er es gerade möchte, wäre Gott keine feste Größe mehr in unserem Leben. Jeder würde seine Vorstellungen und Erwartungen in seinen Gott hineinbauen. Eine schlimme Vorstellung!
Wie gut, dass es nur diesen einen Gott gibt, den wir aus der Bibel kennen.
Einen Menschen vom Bäcker gebacken!? Es würde vielleicht einige Dinge in unserem Leben erleichtern, aber hier bevorzuge ich doch die Vielfalt der Persönlichkeiten!

Fazit: Lerne deine Wünsche und Erwartungen zu formulieren. Habe den Mut sie zu äußern. Freu dich über die vielen Originale in deinem Leben und sei dankbar und froh darüber so sein zu dürfen, wie du bist. Denn auch du bist nicht geschaffen, um die Erwartungen Anderer zu erfüllen. Wenn du es aus Liebe freiwillig tust, ist es etwas anderes. Wenn es dein Gegenüber aus Liebe und freiwillig tut, ist es etwas sehr wertvolles. Nur, erwarte es nicht!